Benzinpreis fällt in der Schweiz erstmals seit August unter zwei Franken
Die Fahrt zur Tankstelle war zuletzt unangenehm. Die Preise für Benzin und Diesel stiegen auf ein Rekordhoch.
Die Fahrt zur Tankstelle war zuletzt unangenehm. Die Preise für Benzin und Diesel stiegen auf ein Rekordhoch. Die Gründe: die Folgen der Angriffe der USA und Israels gegen den Iran sowie der wegen des tiefen Rheinpegels verteuerte Schiffstransport. Doch nun fallen die Preise markant. «Ich war völlig überrascht, als ich am Freitagmorgen bei einer Tankstelle sah, dass Bleifrei 95 nur noch 1. 99 Franken kostet. Noch vor ein paar Tagen war es spürbar mehr», erklärt News-Scout M. * zu 20 Minuten.
Er fuhr weiter und sah auch bei zwei weiteren Tankstellen den genau gleichen Preis, wie er erklärt. «So ein grosser Preissturz ist auffällig. » Sprit ist so günstig wie seit August nicht mehr Was ist passiert? TCS-Experte Erich Schwizer bestätigt auf Anfrage, dass viele Tankstellen am Donnerstagabend mit deutlichen Preissenkungen um durchschnittlich zwölf Rappen pro Liter Benzin und sechs Rappen pro Liter Diesel begonnen hätten. «Am Freitag sind die meisten nachgezogen. Die verbleibenden werden die Preise voraussichtlich ebenfalls noch senken», erklärt Schwizer. Bereits am vergangenen Wochenende hätten viele Tankstellen die Preise um einen oder zwei und manchmal auch um vier Rappen pro Liter gesenkt. Der Preissturz am Donnerstag war dann aber nochmals spürbar grösser.
Die Literpreise im Schweizer Durchschnitt liegen jetzt bei 1. 99 Franken für Bleifrei 95, 2. 10 für Bleifrei 98 und 2. 34 Franken für Diesel. Bleifrei 95 kostet damit erstmals seit August wieder weniger als zwei Franken. Warum fallen die Preise? Der Kurs der für Europa wichtigen Ölsorte Brent ist von 116 Dollar Ende vergangener Woche auf 94 Dollar am Mittwoch gefallen. Am Tag davor erlitt Donald Trumps republikanische Partei eine Schlappe in den US-Zwischenwahlen Sie verlor die Mehrheit im Senat und Repräsentantenhaus an die demokratische Partei.
Viele haben befürchtet, dass die Niederlage Trump zu einer Eskalation mit dem Iran drängen könnte, erklärt Energiehändlerin Rebecca Babin von der Canadian Imperial Bank of Commerce zu «CNBC». Doch Vizepräsident J. D. Vance machte den Krieg für die Rückschläge der Republikaner verantwortlich und Trump kündigte das Ende milliardenschwerer Hilfen für Israel an. Dadurch keimten Hoffnungen auf, dass nach acht Monaten Krieg eine Normalisierung im Iran folgen könnte. «Die Wahlen lassen den Markt zu dem Schluss kommen, dass Trump nun möglicherweise zu einer Einigung bereit ist», erklärt Andy Lipow, Präsident von Lipow Oil Associates. Die Demokraten könnten mit ihrer Mehrheit im Senat und dem Repräsentantenhaus auch versuchen, die Mittel für den Krieg zu kürzen, erklärt Lipow. Wie geht es weiter?
Wegen der gesunkenen Preise konnten auch die Tankstellenbetreiber günstig einkaufen, so TCS-Experte Schwizer. Er erwartet aber, dass die Situation weiter unsicher bleibt. «Fracht- und Transportkosten sind weiterhin hoch. Dass die Treibstoffpreise nachhaltig tief bleiben, ist fraglich. » Auch Energiehändlerin Babin erklärt, der Ausverkauf «könnte etwas übertrieben sein». Der Markt befinde sich in einer Phase, in der erst gehandelt und dann erst gefragt werde, da die Emotionen nach den unerwarteten Wahlergebnissen hochgekocht seien. *Name der Redaktion bekannt.
D.Brunner--SbgTB