Ukraine: Mindestens vier Tote bei russischen Angriffen auf Energieinfrastruktur
Bei russischen Drohnen- und Raketenangriffen auf Energieinfrastruktur in der Ukraine sind örtlichen Behörden zufolge mindestens vier Menschen getötet worden. Nach Angaben Kiews handelte es sich um den Auftakt einer russischen Offensive zur Lahmlegung der Strom- und Wärmeversorgung vor dem Winter. Diese Taktik hatte Moskau bereits in den vergangenen Jahren angewandt.
Bei den nächtlichen Angriffen in Kiew und Umgebung wurden den Angaben zufolge mindestens vier Menschen getötet, darunter ein kleines Kind, das aus den Trümmern eines Wohnhauses geborgen wurde. Es gab mehrere Explosionen, Luftalarm wurde ausgelöst und die Einwohner suchten in Kellern und U-Bahn-Stationen Zuflucht.
Der russische Verteidigungsminister teilte mit, die Armee habe einen massiven Raketen- und Drohnenangriff auf Kiew und die Umgebung der Stadt ausgeführt. Ziel sei die Energieinfrastruktur der ukrainischen Hauptstadt gewesen.
Der größte ukrainische Energieanbieter DTEK erklärte, dass das Stromnetz beschädigt wurde und die Versorgung von 8000 Haushalten beeinträchtigt war. Ingenieure hätten die Stromversorgung wiederhergestellt, hieß es. Es sei "eine weitere schwierige Nacht für die Hauptstadt" gewesen, erklärte DTEK.
Angesichts des bevorstehenden Winters und bitterkalten Temperaturen ist die Sicherung der Energieversorgung der Ukraine von großer Bedeutung. Im vergangenen Jahr hatten Bewohner immer wieder bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad ohne Strom und Heizung ausharren müssen. Angesichts der Befürchtung, das sich das Szenario wiederholen könnte, waren ältere und schutzbedürftige Menschen in den vergangenen Wochen aufgefordert worden, die Städte zu verlassen.
Nach den Worten von Regierungschef Serhij Korezky handelt es sich bei den Angriffen um den Beginn einer russischen Offensive gegen die Energiesektor vor dem Winter: "Seit dem Sommer ist fast kein Tag vergangen, an dem der Feind unsere Energieinfrastruktur nicht angegriffen hat", erklärte er auf Instagram. Einen "derart groß angelegten kombinierten Angriff" habe es jedoch seit dem Ende der letzten Heizperiode nicht mehr gegeben. Örtliche Behörden müssten nun prüfen, ob die Notstromsysteme betriebsbereit seien und die "Arbeiten an deren Installation und Anschluss so schnell wie möglich abschließen", sagte Korezky.
Bei den Angriffen am Mittwoch wurden Wohnhäuser und Geschäfte getroffen. Die Angriffe lösten Brände aus und richteten weitreichende Schäden an Gebäuden und Autos aus, wie die Behörden mitteilten. "Die Region Kiew ist erneut von einem feindlichen Raketen- und Drohnenangriff getroffen worden", erklärte der Chef der Militärverwaltung, Timur Tkatschenko.
Russland hat im fünften Jahr des Krieges seine Drohnen- und Raketenangriffe auf die ukrainische Hauptstadt verstärkt. Dabei setzt Moskau verstärkt neuartige Drohnen ein, die schneller fliegen und schwieriger abzufangen sind. Selenskyj hat die Verbündeten der Ukraine wiederholt aufgefordert, seinem Land mehr militärische Unterstützung zu liefern.
R.Rieser--SbgTB