Analyse: Zahl antisemitischer Angriffe weltweit gestiegen - besonders in Deutschland
Die Zahl antisemitischer Angriffe ist einer Analyse zufolge seit 2022 in mehreren Staaten weltweit deutlich gestiegen - am massivsten aber in Deutschland. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Jahresbericht der J7 Taskforce gegen Antisemitismus hervor. Diese untersucht antisemitische Vorfälle in sieben Staaten, in denen zusammen etwa 90 Prozent der Jüdinnen und Juden außerhalb Israels leben.
Insgesamt lag demnach 2025 die Zahl antisemitischer Vorfälle in diesen J7-Staaten um 136 Prozent über dem Niveau von 2022 - dem Jahr vor dem Angriff der radikalen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel vom 7. Oktober. Deren Gesamtzahl wurde mit mehr als 23.000 angegeben. In Deutschland wurde demnach sogar ein Anstieg um 215 Prozent verzeichnet.
Zu den J7-Staaten gehören Argentinien, Australien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Großbritannien und die USA. Gewalttätige Vorfälle nahmen laut dem Bericht in diesen Staaten von 2022 bis 2025 um 97 Prozent zu. 20 Menschen seien bei antisemitischen Angriffen in Australien, Großbritannien und den USA getötet worden. Davon betrafen allein 15 den Angriff auf eine Chanukka-Feier in Sydney am 14. Dezember 2025.
Deutschland weist demnach die höchste Zahl antisemitischer Vorfälle auf - sowohl absolut wie auch gemessen an der jüdischen Bevölkerung. 2025 habe es fast 70 Vorfälle pro 1000 jüdische Einwohnerinnen und Einwohner gegeben. Die Gesamtzahl wurde für Deutschland mit 8725 Fällen angegeben - nach 8713 im Jahr 2024 und 2610 im Jahr 2022. Betroffen waren 2025 insgesamt 1849 Jüdinnen und Juden sowie 2184 jüdische oder nicht-jüdische Institutionen.
Von den in Deutschland erfassten Fällen wurden im vergangenen Jahr 807 einem rechtsextremem Hintergrund zugeordnet. 2024 waren es 562 Fälle gewesen. Die Zahl der Angriffe aus dem linken, antiimperialistischen Spektrum stieg demnach von 349 auf 501 Fälle, die der islamistisch motivierten Fälle von 143 auf 166 Fälle.
Vorfälle, die als "Anti-Israel-Aktivismus" kategorisiert wurden, machten in Deutschland demnach 2025 mindestens 22,6 Prozent aller erfassten Vorfälle aus. Dies ist weniger als etwa in den USA (45 Prozent) oder Großbritannien (48 Prozent). Bei der Mehrheit der Fälle in Deutschland erfolgte allerdings keine Zuordnung zu einem bestimmten politischen oder weltanschaulichen Hintergrund.
"Die Zahlen belegen die fortschreitende Normalisierung des Judenhasses", erklärte dazu der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. Dieser werde von den politischen Rändern von links bis rechts geschürt und dabei zunehmend als 'Antizionismus' bezeichnet. Schuster forderte den Gesetzgeber auf, "dass er bestehende Lücken im Strafrecht schließt und Aufrufe zur Zerstörung des Staates Israel konsequent unter Strafe stellt".
In den USA wurden 2025 insgesamt 6274 antisemitische Vorfälle registriert. Dies ist ebenfalls deutlich mehr als 2022, allerdings weniger als in den Jahren dazwischen. In Großbritannien gab es im vergangenen Jahr 3700 Fälle.
Antisemitismus sei kein "vorübergehendes Strohfeuer", sondern "er ist unsere neue Normalität", erklärte die Anti-Diffamierungs-Liga (ADL) mit Sitz in New York. Sie forderte in allen betroffenen Ländern strengere Gesetze und die Beachtung von Regeln in Onlinediensten.
Der Jahresbericht der J7-Taskforce stützt sich in den einzelnen Ländern auf unterschiedliche Quellen. Für Deutschland sind dies in erster Linie die Erhebungen des Bundesverbandes der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) sowie das Lagebild der jüdischen Gemeinden in Deutschland des Zentralrats der Juden.
V.Grabner--SbgTB